Nanotechnologien: Was sollten sie uns bringen? Ihre Meinung

Worum geht es?

Alles, was Sie immer schon über Nanotechnologie wissen wollten...

  • Was bedeutet Nanotechnologie?

    Nanotechnologie bedeutet „Technologie in sehr kleinem Maßstab“. Sie kann in vielen verschiedenen Bereichen, z.B. Gesundheitswesen und Medizin, EDV und Kommunikation sowie Energie und Umwelt verwendet werden. Nanotechnologie arbeitet im Nanobereich, d.h. auf der Ebene der einzelnen Moleküle.

  • Warum sollte ich mich mit Nanotechnologien befassen?

    Es ist wahrscheinlich, dass Nanotechnologien in unmittelbarer Zukunft eine sehr weitreichende Verwendung finden werden. Sie erlauben zum Beispiel die Herstellung unvorstellbar kleiner Computerchips bzw. winziger Maschinen, um beschädigte Arterien im menschlichen Körper zu finden und zu reparieren. Dank der Nanotechnologien könnte unsere Energie sauberer werden, unsere Lebenserwartung erhöht werden, und viele bestehende Technologien könnten entscheidend verbessert werden. Die Effekte von Nanotechnologien sind bereits heute erkennbar. Auf dem Markt befinden sich bereits über 1 000 Produkte, die Nanomaterialien verwenden.

  • Was ist ein Nanometer?

    Bildquelle: nanoyou.eu

    Ein Nanometer ist ein Milliardstel (10 -9) Meter, d.h. 0,000 000 001 Meter oder ein Millionstel Millimeter. Mit anderen Worten: Ein Nanometer steht im gleichen Größenverhältnis zu einem Apfel, wie ein Apfel zur Erde.

    Nanotechnologien beschäftigen sich mit Materialien, deren Abmessungen im Nanometer-Bereich liegen, also ca. 1 und 100 nm. Dieser Bereich wird auch Nanobereich genannt.

    Bildquelle: nanoyou.eu

  • Was ist das Besondere von Dingen im Nanobereich?

    Bildquelle: wikipedia

    Im Nanobereich bekommen bekannte Materialien neue Eigenschaften. Aluminiumfolie z.B. ist praktisch, um Brötchen bis zur Mittagszeit frisch zu halten. Aber wenn Sie das gleiche Aluminium in immer kleinere Stücke schneiden, passiert etwas sehr seltsames: Wenn sie richtig winzig werden (d.h. im Nanobereich), werden sie extrem reaktiv. Ja sogar explosiv! Deshalb sind Aluminiumpartikel gut als Bestandteil vonRaketentreibstoff geeignet, sollten aber von Ihrem Lunchpaket fern gehalten werden!

  • Natürliche Nanomaterialien

    Bildquelle: nano.ort.org.il

    Viele Lebewesen nutzen Phänomene, die von Strukturen mit Abmessungen im Nanobereich abhängig sind. Ein auf der Decke spazierender Gecko, wasserabweisende Blätter, die kräftigen Farben der Schmetterlinge, sowie widerstandsfähige, flexible Materialien wie Spinnweben... das Geheimnis dahinter ist die natürliche Nanotechnologie.

    Abgesehen von künstlich produzierten Nanopartikeln existieren auch jene, die durch Naturphänomene wie Erosion oder Vulkanausbrüche erzeugt werden. Auch durch verschiedene chemische Reaktionen, vor allem Verbrennung, werden solche Partikel produziert.

    Es ist auch bekannt, dass Menschen bereits durch Kosmetikprodukte mit Nanopartikeln in Berührung kommen. Das mineralische Titandioxid, das als Bleichmittel in Zahnpasta und Lebensmittelfarben verwendet wird, enthält zum Beispiel einen Anteil an Nanopartikeln. Diese werden nicht bewusst in diese Produkte gegeben, sondern sind Teil der normalen Zusammensetzung dieser Mineralien, wie unterschiedlich große Sandkörner.

  • Ist Nanotechnologie etwas Neues?

    Wenn auch WissenschaftlerInnen den Nanobereich bereits seit langer Zeit in der Physik und Chemie erforscht hatten, konnten Atome und Moleküle erst in den 80er Jahren direkt visualisiert und manipuliert werden. Möglich wurde dies durch eine neue Generation von Mikroskopen in einem Labor von IBM in der Schweiz. Dadurch wurde der systematischen Untersuchung von Nanomaterialien der Weg geebnet und es wurde erkannt, dass deren außergewöhnlichen Eigenschaften für die Herstellung innovativer Materialien und Geräte ideal sind. Die in der Natur beobachteten Nanomaterialien dienen dabei oft als Inspiration für die Herstellung innovativer Materialien! Deshalb sehen viele ForscherInnen Nanotechnologie nicht so sehr als Revolution, sondern eher als Weiterentwicklung der traditionellen wissenschaftlichen Disziplinen; dennoch können Nanotechnologien durch die Schaffung von neuen Anwendungen und Werkzeugen revolutionäre Auswirkungen auf unsere Gesellschaft haben.

  • Wie könnten Nanotechnologien unser Leben verändern?

    In den letzten Jahrzehnten hat sich unser Lebensstil durch elektronische Geräte dramatisch verändert. Denken Sie nur an die Entwicklung der Mobiltelefone in den letzten 20 Jahren. Nanotechnologien haben einenwichtigen Beitrag dazu geleistet, dass diese Geräte immer kleiner, effizienter und multifunktionaler wurden. In der Zukunft könnte sich unser Leben durch neue technologische Innovationen weiter verändern, z.B.:

    • Im Blutkreislauf fließende Medikamente, die von außen aktiviert und gesteuert werden können; dadurch könnten Daten erfasst und übermittelt werden, um Therapien anzupassen (Theranostik).
    • Wirkstoffträger im Nanobereich, die zur Bekämpfung von Krebszellen dienen
    • „Tätowierungen“, die Salz- und Metabolitniveaus von Sportlern oder Diabetikern überwachen.
    • Schuhe oder Kleidung mit Sensoren, die Trainingsdaten erfassen.
    • Energiegewinnende, integrierte Systeme (in Textilien, Schuhen etc.), die Solar- und mechanische Energie „ernten“, um elektronische Geräte aufzuladen.
    • Flexible und transparente Solarmodule auf Fenstern, Fliesen usw., mit hohem solarem Wirkungsgrad.
    • Oberflächen und Textilien, die Stickoxide und andere mit Smog in im Zusammenhang stehende Gase aus der urbanen Luft entfernen.
    • Intelligente Lebensmittelverpackungen, die die Haltbarkeit eines Produkts überwachen bzw. eine Kontamination erkennen können und mit einem Verfolgungs- bzw. Kommunikationssystem ausgestattet sind, das von dem Hersteller bzw. Händler abgefragt werden kann.

    Bildquelle: nanoyou.eu

  • Bringen Nanotechnologien Gesundheitsrisiken mit sich?

    Jede neue Technologie kann unbekannte Gefahren für die Gesundheit mit sich bringen, wenn sie die Verbraucher zum ersten Mal erreicht. Denken Sie zum Beispiel an den Mobilfunk: Das Gesundheitsrisiko von Mobiltelefonen wurde erst einige Jahre nach der Markteinführung dieser Geräte entdeckt, und ist nach wie vor nicht vollständig klar. Trotzdem verwenden wir diese Geräte täglich. Die Sicherheit von Nanotechnologien steht bereits seit Jahren im Blickfeld, auf Ansuchen verschiedener ziviler Organisationen sowie nationaler Wissenschaftsakademien, die Bedenken bezüglich der Sicherheit Nanotechnologien geäußert und vorbeugende Aktionen für eine verantwortungsvolle Entwicklung gefordert haben. Der gemeinsame Wunsch ist es, sicherzustellen, dass sich die Technologie weiterentwickeln kann, ohne, dass dabei Risiken für ArbeiterInnen und KonsumentInnen entstehen.

    Welche Risiken? In der Nanotechnologie werden Materialien im Nanobereich verwendet, weshalb berechtigte Bedenken besteht, dass diese den Menschen schaden könnten, wenn gewisse Schutzbarrieren wie z.B. die Haut von diesen Stoffen durchdrungen werden. So wurden z.B. Sonnenschutzmittel mit Nanomaterialien daraufhin untersucht. Dennoch zeigen die bisherigen wissenschaftlichen Forschungen, dass die Nanopartikel selbst nicht durch die Haut dringen. Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass bis jetzt kein Beweis vorhanden ist, dass konsumentenorientierte Produkte, die Nanomaterialien enthalten, schädlich sind. Dennoch werden Materialien im Nanobereich weiterhin auf Toxizität geprüft, besonders in Hinblick auf Produkte, die direkt mit dem menschlichen Körper in Kontakt kommen.

    Gibt es Risiken für die Umwelt?

    Am Ende ihres Lebenszyklus werden alle Produkte zu Abfall. Die Frage, die sich BürgerInnen und ForscherInnen stellen müssen, ist: Haben die in Nanotechnik-Produkten enthaltenen Nanomaterialien schädliche Effekte auf die Umwelt, wenn sie entsorgt werden? Könnten durch die Rückstände dieser Abfälle Tiere und Pflanzen geschädigt werden? Es handelt sich dabei um komplexe Fragen, und es wird einige Zeit dauern, bis wir eindeutige Antworten auf diese finden. Weltweit wird dahingehend intensiv geforscht. Wissenschaftler untersuchen außerdem, ob aus dem Waschen von Gegenständen, die Nanomaterialien enthalten, wie z.B. Kleidungsstücken, Sicherheitsgefährdungen hervorgehen. Einige zivile Organisationen sind der Meinung, dass Produkte, die Nanomaterialien enthalten, nicht verkauft werden sollten, bis diese Fragen vollständig geklärt werden können. Andere wiederum betonen, dass wir bereits in der Umwelt und durch die Luftverschmutzung vielen natürlichen Nanopartikeln ausgesetzt sind. Nanopartikel sind also nichts wirklich Neues, und wenn es auch stimmt, dass wir noch viel Forschungsarbeit vor uns haben, sollten wir doch nicht zu viele Hindernisse für die Forschung in diesem Bereich schaffen.

  • Wie ist die Verwendung von Nanotechnologien gesetzlich geregelt?

    Bisher gibt es innerhalb der Europäischen Gemeinschaft noch keine spezifischen Regelungen bezüglich Nanomaterialien. Die offizielle Position ist derzeit, nach mehreren Revisionen und Studien, dass die Nanomaterialien durch die bestehenden Vorschriften ausreichend abgedeckt werden. Nanomaterialien werden demnach wie alle anderen Chemikalien behandelt, d.h. sie müssen eine Reihe an Vorschriften erfüllen, um in Konsumentenprodukten und industriellen Prozessen verwendet werden zu können. Einige zivile Organisationen verlangen jedoch spezifische Bestimmungen für Nanomaterialien, da diese besondere Eigenschaften aufweisen. Derzeit gibt es kein Gesetz, dass bestimmt, dass auf dem Etikett eines Produkts vermerkt werden muss, ob Nanomaterialien enthalten sind, außer bei Kosmetikprodukten und Lebensmitteln, wo diese Materialien als Zutaten vermerkt werden müssen. (ab 2014).

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  • NanOpinion ist ein EU-finanziertes Projekt, das 17 Partner aus 11 Ländern mit dem Ziel zusammenbringt, die öffentliche Meinung zu dem zu analysieren, was sich die Bevölkerung von Innovation mit Nanotechnologien erhofft. Das Projekt richtet sich an BürgerInnen mit besonderem Fokus auf schwer zu erreichende Zielgruppen, d. h. Personen, die man gewöhnlich nicht dort findet, wo Meinungen zu Nanotechnologien aus erster Hand abgegeben werden.
  • Der Dialog wird online und mithilfe spezieller Umfrage-Aktivitäten in 30 Ländern unter Verwendung unterschiedlicher Teilnahmeformate gefördert.
  • Um eine fundierte Diskussionzu fördern veranstalten wir außerdem eine weitreichende Presse- und Soziale Medien-Kampagne und bieten ein Respositorium mit über 150 Quellen an.
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